Kosmometrie


Geometrien als Schöpfungsmuster  

 

 

Und was war davor?

Alte Nationalgalerie Berlin

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Die skizzierte Geschichte der Elemente und der nicht ganz zu Recht genannten ‚platonischen Körper‘, denn sie sind lange vor Platon bereits in anderen Kulturen bekannt gewesen, hat natürlich viele und weitverzweigte Vorgeschichten.
Es gab die matriarchalen oder matrifokalen Kulturen und die Mysterientraditionen, in die viele der Philosophen eingeweiht waren, deren Wissen sie adaptiert haben, deren Quellen aber nach I. Straube nicht mehr genannt wurden. Das stimmt so nicht ganz und der Wegfall der Vorgeschichten ist auch späteren Jahrhunderten zu verdanken (s.a. Seitenzweig Platon, Timaios und die Ursprünge der Philosophie / Skript). Es war wahrscheinlich eher eine Zeit des Übergangs von überwiegend matriarchalen in patriarchale Gesellschaftsstrukturen.

Es erscheint mir in diesem Kontext wichtig zu erwähnen, dass es sehr unterschiedliche Darstellungen der Geschichte gibt, auch je nachdem, ob sie von Frauen oder Männern betrachtet und beschrieben wird. Und dass alle Quellen, denen ich nachgegangen bin, ihre Ausschnitte und ihre subjektive Sicht und Interpretation dargestellt haben. Meine subjektive Sicht auf die hier zusammengefügten Inhalte sind die geometrischen und kosmometrischen Strukturen, die ich sehe, fühle und wahrnehme. Dafür habe ich nach Entsprechungen geforscht.
Im kosmometrischen Sinne geht es um Symmetrie, Gleichgewicht und Balance, wie es all die Geometrien in Natur, Kunst und Architektur zeigen. Es geht nicht um Dominanz und Herrschaft des einen über ein anderes sondern um ein tiefes Begreifen der Einheit, die wir sind und das schliesst Vielfalt keineswegs aus.

Eine Darstellung der Geschichte der Philosophie begann also mit Thales. Für Thales war das Wasser das Urelement.
Das Wasser war das Element der Göttin, der Fruchtbarkeit, das Fruchtwasser, in dem die neue Schöpfung, der neue Mensch heranreifte. Das wurde später vielfältig abstrahiert.
Im Timaios findet sich ein Abschnitt, in dem Platon vor den Ausführungen zu den ‚platonischen Körpern‘ vom ‚Leib der Welt‘, dem Grund seines Bestehens aus vier Bestandteilen (den Elementen) und seiner Kugelgestalt schreibt (s.a. die Seitenzweige dazu), was viel eher noch auf das Verständnis von einer weiblichen Gottheit als die, welche die Schöpfung gebärt, hinweist. Nach Platon, auch im Timaios stehend, hat die Göttin Neith oder Athene den Menschen das Wissen übergeben (s.a. Seitenzweig Platon, Timaios und die Ursprünge der Philosophie / Skript).
Nach B. Walker und I. Straube geht die Vorstellung von den Elementen als Grundsubstanzen des Lebens auf die indische Göttin Kali zurück, die auch als Grosse Mutter verehrt wurde. ‚Danach glaubte man, Kali hätte die Elemente als ‚Bausteine des Lebens‘ genutzt:
‚Mit Wasser schuf sie Blut, dem sie mit Feuer Lebenswärme verlieh, mit Erde schuf sie die festen Teile des Körpers und mit Luft hauchte sie ihm den Lebensatem ein‘.
Nach Straube steht ‚Arche‘ für das erste aller Elemente und heisst Blut, salzige Substanz, Frucht- oder Meerwasser.
Vgl.: Straube, Ingrid: Die Quellen der Philosophie sind weiblich, Aachen 2001, 32 f. Walker, Barbara G.: das geheime Wissen der Frauen, 209

Im Abendland, von Ägypten kommend, gab es die Isis-Mysterien, die u.a. von Lucius Apuleius in ‚der goldene Esel‘ beschrieben wurden. Isis offenbart dort ihre Natur als Himmelskönigin:
‚Ich bin die Natur, die universelle Mutter, die Herrin der Elemente, das ursprüngliche Kind der Zeit, die Herrscherin über die spirituellen Dinge, die Königin der Toten, die Königin auch der Unsterblichen, die einzige Manifestation aller Götter und Göttinnen, die es gibt.‘
Vgl. Terhart, Franjo: Die Wächter des Heiligen Gral, das verborgene Wissen der Tempelritter, München 1999, 84 f.

Pythagoras, der ‚Vater der Mathematik‘ hatte in seinen Unterweisungen einen inneren Kreis. Die dort zugelassenen wurden die ‚Esoterikoi‘ genannt und es brauchte nach Alfried Lehner mindestens 5 Jahre bis die Anwärter in den inneren Kreis zugelassen wurden.
Er war also auch der Vater der Esoteriker.
Er hatte bei den babylonischen Chaldäern und in Ägypten studiert und war mit den vielfältigen Mysterienkulten sicher vertraut und in sie eingeweiht.
Sein Wissen um die Mathematik stammte mit grosser Wahrscheinlichkeit aus diesen Ländern.
Nach Albert Presas i Puig war das Hauptziel des pythagoreischen Gedankens, ‚die sichtbare Ordnung des gesamten Universums zu verstehen.‘
Vgl.: Presas i Puig, Albert: Praktische Geometrie und Kosmologie am Beispiel der Architektur, München 1998, 139

Um Pythagoras, von dem kaum Originaltexte überliefert sind, ranken sich so viele Geschichten und Meinungen, dass ich in diesem Kontext auf ihn nicht weiter eingehen möchte. Weitere Wurzeln sind in den alten Kulturen zu finden (vgl. Seitenzweig Timaios / Skript).
Die Pyramiden sprechen davon. Die Pyramiden Ägyptens und anderer Kontinente haben abgesehen von ihrer geometrischen Struktur beeindruckende Masse, Masszahlen über die viel geforscht und viel geschrieben wurde; sehr detailliert u.a. von Brown Landone.
Vgl.: Landone, Brown: Die mystischen Meister, München 1958

Wasserpyramide Landschaftspark Branitz

Wasserpyramide Landschaftspark Branitz

Die Einen, die sie entdeckten und andere, die sie wiederlegen. Aber allein die geometrische Struktur (s. auch Kap. Architektur), weist auf altes und tiefes Wissen um die Muster der Schöpfung hin.
Ich gehe nicht davon aus, dass dieses Wissen in Ägypten geboren wurde, aber Ägypten ist für uns noch vorstellbar. Ich gehe davon aus, dass die Ursprünge dieses Wissen viel weiter in die Zeit zurückreichen, nicht zuletzt bis Atlantis. Auch Platon schrieb von Atlantis, beschrieb eine hochstehende Kultur, die sich immer mehr von den Gesetzen der Götter abwandte und schliesslich bestraft wurde. Vgl auch.: http://atlantisforschung.de, Timaios (19b-27), Kritias (108d-121c)

Burkert schreibt zu dem Wissen, dass die griechischen Philosophen assimiliert haben: ‚ Die Vermutung oder Behauptung, Philosophie sei keine eigenständige Erfindung der Griechen, sondern Übernahme und Weiterführung von Vorgegebenen, ist sehr alt. Die These geht geradewegs zurück auf Aristoteles und seine Schüler, die die Frage nach einer barbaros philosophia gestellt haben; dabei ziehen sie – wie sollte es anders sein – die Ägypter, die babylonischen Chaldäer, die iranischen Magier samt Zoroastres – Zarathustra, zudem indische Gurus und auch Juden in Betracht. Vgl.: Burkert, Walter: Die Griechen und der Orient, München 2003, 56

Amazone vor dem Neuen Museum Berlin

Amazone vor dem Neuen Museum Berlin

Und an anderer Stelle:,der Lehrsatz des Pythagoras wird in Keilschrifttexten schon 1000 Jahre vor Pythagoras routinemäßig angewandt. Unsere Namen der Planeten- Merkur, Venus, Mars und Jupiter – sind aus dem Babylonischen übersetzt, auf dem Weg über die griechischen Götter Hermes, Aphrodite, Ares und Zeus. Diese Übertragung erfolgte spätestens in Platons Zeit… . Die Einteilung des Kreises in 360 Grad samt der Unterteilung in ‚Minuten‘ und ‚Sekunden‘ ist ein Stück babylonischer Rechentechnik, das wir nicht haben ablegen können. Es geht auf die babylonische Astronomie, die Tierkreismessung zurück;‘
Vgl.: Burkert, Walter: Die Griechen und der Orient, München 2003, 72

Stadttor Diessenhofen

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