Kosmometrie


Geometrien als Schöpfungsmuster  

 

 

Im Hortus deliciarum (dt. der Garten der Köstlichkeiten), welcher von Herrard von Landsberg um 1175 erstellt wurde, werden die sieben freien Künste in einem Siebenstern dargestellt.

Hortus deliciarum     Quelle: (Wikimedia Commons) / Lizenz (CC-BY-SA 3.0)

Herrard von Landsberg war von 1167 bis 1195 Äbtissin auf dem Odilienberg im Elsass. Der Odilienberg gilt auch als Startpunkt einer der Westwege, auf die in einem anderen Zusammenhang noch eingegangen wird.

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      Die heilige Odilie

 ‚Die freien Künste umfassen sieben Disziplinen.
Die erste ist die Grammatik, das ist die Kenntnis der Sprache;
die zweite die Rhetorik…;
die dritte die Dialektik, auch Logik genannt… .
Die vierte ist die Arithmetik…;
die fünfte ist die Musik…,
die sechste die Geometrie…,
die siebente ist die Astronomie… .‘
Isodor von Sevilla (um 600 n. Chr.)

Die ersten drei wurden zum Trivium gezählt, die vier weiteren zum Quadrivium. ‚Diese vier Wissenschaften sind nicht Künste menschlicher  Erfindung, sondern nur bescheidene Erforschung der göttlichen Werke und  leiten die edlen Geister mit wunderbaren Gründen an zum Verständnis der Schöpfung. Aus einem anonymen Traktat des 9 Jhd. Quelle: Skript zu einer Sendefolge des SFB 1987: Die musikalische Ordnung der Welt

s.a. Architektur – Schöpfungsmuster und das Spiel mit dem Licht
Im Tübinger Hausbuch, welches in der Mitte des 15. Jhd. entstanden ist, wurden sie etwas anders dargestellt.

Tübinger Hausbuch – Die sieben freien Künste                                                 https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Tuebinger_Hausbuch_Freie_Kuenste.jpg

Zu beachten ist ganz links: Geomatria (von griech. mätra Gebärmutter; meistens wird Geometrie von metrein  (griech.)- messen, also ‚Erdvermessung‘ abgeleitet. Aber auch metrein steht ursprünglich im Zusammenhang zu mätra – Gebärmutter. Joachim Ernst Behrend spricht in Nada Brahma – Die Welt ist Klang darüber. Nach ihm war der erste beobachtbare Rhythmus die Menstruationszyklen der Frauen. Und diese stehen wiederum mit der mätra – der Gebärmutter in unmittelbarem Zusammenhang).

Die anderen heissen Loica, Artmetrica, Gramatica, Musica, Fisica, Rethorica.
Jeder Kunst wird ein Wochentag, ein Metall und ein Planet zugeordnet. Numeriert nach der Reihenfolge auf dem Bild, mit dem Sonntag beginnend.    

                                 
4. Grammatik Sonne Gold- Sonntag 1
2. Loica Zien – Zinn – Donnerstag – Jupiter 5
5. Musica Kupfer- Freitag – Venus 6
6. Fisica Quecksilber-Mittwoch- Merkur……4
7. Rethorica Silber-Montag 2
1. Geomatria – Samstag – Saturn – Blei- 7
3. Arithmetica- Dienstag – Mars – Eisen Galle / Kehlkopf 3

Die Wahl der Reihenfolge, die nicht der klassischen Zuordnung zu Trivium und Quadrivium entspricht, wird dann klar, wenn man die 7 Zahlen in einen Kreis schreibt und die Zahlen nach der Zuordnung der Wochentage miteinander verbindet. Von der christlichen Kulturprägung ausgehend, beginnt die Woche am Sonntag.        

           

       Es entsteht ein Siebenstern: Sonne, Mond und Sterne.

http://www.jgiesen.de/astro/planets/gifs/woche.gif

s.a. Klingende Geometrien – Geometrischer Klang

 

Jüterborg

           Jüterborg

  Kirche in Jüterborg, die auch einige Templerzeichen zu bieten hat:

Siebenstern über dem Eingangsportal und das Fenstermuster, welches aus Dreier- und Vierermustern besteht.

Jüterborg

 

Beginnen wir mit der sogenannten chaldäischen Reihe , wie sie auch noch in Ägypten üblich war, dort war unser Samstag der erste Wochentag, haben wir die Reihenfolge des Tübinger Hausbuches von links nach rechts.

http://www.bibel-offenbarung.org/images/stories/Bibel-Offenbarung/Bilder/Siebenstern.jpg

Reiht man die sieben klassischen Gestirne nach ihrer mittleren Geschwindigkeit, so erhält man die chaldäische Reihe:
1 Saturn – 2 Jupiter – 3 Mars – 4 Sonne – 5 Venus – 6 Merkur – 7 Mond
Ordnet man die Planeten in dieser Reihenfolge kreisförmig an (siehe Abb.) und verbindet man sie in einem Zug zu einem Siebenstern, ergibt sich die Reihenfolge der sogenannten Tagesherrscher, die wiederum die Namensgeber für unsere Wochentage sind.

Nach der alten Astrologie beginnt der Tag nicht um 0 Uhr, sondern mit dem Sonnenaufgang. Neben den Tagesherrschern gibt es auch Stundenherrscher. Teilt man die Zeit zwischen Sonnenauf– und Sonnenuntergang in 12 Teile (Planetenstunden), so regiert die erste Planetenstunde nach Sonnenaufgang der Tagesherrscher, die zweite der in der chaldäischen Reihe folgende Planet usw. Ein Sonntag beginnt also z.B. mit einer Sonnen-Stunde, dann folgt eine Venus-Stunde, dann eine Merkur-Stunde usw. Analoges gilt für die Nacht.         aus:  www.sararstro.at

In dem Buch Quadrivium, das von vier der sieben freien Künste handelt und mit Wort und Bild sehr anschaulich die vielfältigen Zusammenhänge und Wechselbeziehungen zwischen Geometrie und den anderen drei Künsten Arithmetik, Musik und Astronomie darstellt, gibt es das Kapitel: Das Geheimnis der Sieben
Ergänzend zu meinen Ausführungen zur ‚Geschichte der Elemente/ Platon und wie es weiterging‘ findet sich dort eine bemerkenswerte Brücke zwischen den Elementen der Griechen und den Elementen der Chemie der Neuzeit.

‚Wenn man die Planeten und die ihnen zugehörigen Metalle in den Siebenstern einfügt (s.o), beim Mars/Eisen beginnend einen Zacken auslassend zur Venus /Kupfer springt und weiter zu Mond/Silber, Jupiter/ Zinn, Sonne/ Gold, Merkur/ Quecksilber, Saturn /Blei und den Siebenstern schliesst zum Eisen, kann man damit der aufsteigenden Atomnummer folgen. Und mit Blei beginnend ‚lässt sich entlang seines Umfangs auch die Reihenfolge elektrischer Leitfähigkeit ablesen‘.                                                                    

Martineau, John (Hrsg.): Quadrivium, Librero 2015, 304

s.a. Platon und wie es weiterging

Wenn man immer zwei Zacken auslässt, hat man die Reihenfolge der Wochentage.
Woher haben sie das gewusst?

Weiter forschend habe ich noch ganz andere ältere Zusammenhänge gefunden:

Sophia steht für den Weisheitsaspekt der Göttlichen Mutter, noch wiederzufinden in dem obersten Bild in der Mitte: Philo – Sophia – Die Liebe zur Weisheit. Zur Zeit der alten Griechen war die Göttliche Mutter noch sehr präsent. Die Philosophen beriefen sich immer wieder auch auf die Weisheit, die sie bei den weiblichen Mysterien erhalten hatten, von einer Göttin ,vom Denken entkleidet‘ übermittelt bekamen (Parmenides) oder von ihren Lehrerinen w.z.B. Diotima, welche die Lehrerin von Sokrates war, erhalten hatten. Natürlich erfuhren die Lehren passgerechte Veränderungen, so dass sie die zu etablierende Welt männlicher Dominanz rechtfertigen konnten. Dazu an anderer Stelle mehr.

Das Symbol der Sophia war die Taube der Aphrodite. (vgl. Walker, Barbara)

Als die Göttin in Gestalt des Mondes erschien, erhielt sie den Namen Meeresperle oder Perle der Weisheit; ihre sieben Hohepriesterinnen waren die sieben Säulen der Weisheit. (Walker 852)

Die sieben Säulen der Weisheit beziehen sich auf die Pleiaden, welche auch als die sieben Strahlen der Sophia beschrieben werden. Es heisst, Aphrodite habe als Pleione die Pleiaden, eine Taubenschar, geboren.

Artemis verkörperte ein weiteres Siebengestirn, die wesentlich grössere Konstellation Ursa Major, ‚die grosse Bärin‘, bei der es sich um eine andere Version der Sieben Schwestern gehandelt haben mag. … Die gleichen magischen Sieben hiessen in Ägypten und im Orient die Sieben Hebammen. Im präpatriarchalischen Jerusalem wurden sie vermutlich mit der Heilegen Menora (dem siebenarmigen Leuchter) dargestellt; sie symbolisierten die siebenfältigen Mondpriesterinnen, wie ihr Schmuck für das weibliche Genital – Lilien und Mandeln – zeigt (Exodus 25,33).

vgl./ aus: Walker, Barbara: Das geheime Wissen der Frauen, 1993, Frankfurt a.M., 874 ff.)

Im Hortus deliciarum dargestellt ist Philo-Sophia in der Mitte. Von ihr ausgehend sind die sieben freien Künste dargestellt, alle weiblich. Ein Zusammenhang ist naheliegend.

Das Mysterium der Sieben:

7 Priesterinnen sollen die wichtigsten Orakelstätten der Antike gegründet haben

7 Pfeiler der Weisheit

7 Weltenmütter

7 Hathors / Ägypten

7 Pfeiler / Karyatiden, die zu den Heiligtümern der Sophia gehörten

7 freie Künste

7 Wochentage

7 Planeten

7 Metalle